Trennung und Scheidung: Wie Sie den Schmerz bewältigen und Ihre Kinder schützen
Hohe Erwartungen – hohe Scheidungsraten
Noch nie zuvor waren unsere Erwartungen an die Paarbeziehung so hoch wie heute. Wir wünschen uns emotionale Nähe, tiefe Verbundenheit, Leidenschaft, gemeinsame Werte und all das mit einem Partner, der unsere Wünsche und Bedürfnisse erfüllt, bevor wir sie selbst erahnen, geschweige denn formulieren können.
Das ist ein Ideal, das viele Beziehungen überfordert – und vielleicht ein Grund, warum etwa ein Drittel aller Ehen in Deutschland früher oder später scheitern.
Im Jahr 2024 wurden rund 129.300 Ehen geschieden. Die höchsten Scheidungsraten gibt es in Berlin (42,5 %) und Hamburg (40,2 %), die niedrigsten in Sachsen (29,8 %) und Bayern (31,4 %). Nordrhein-Westfalen liegt bei 35,4 % und damit im oberen Mittelfeld. Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Ehedauer bis zur Scheidung bei 14,8 Jahren – etwas höher als zuvor.
Die meisten Scheidungen erfolgen nach 3-5 Jahren („Anfangskrise“, 15,3 %), 6-9 Jahren („Siebenjahreskrise“, 23,1 %) und zwischen 10-15 (21,4%) bzw. 15-20 Jahren (15,8%), auch wenn die Tendenz nach der sog. Siebenjahreskrise eher kontinuierlich abnimmt. Zwischen 20-25 Jahren, in der „Empty-Nest-Phase“, haben wir noch eine Scheidungsquote von 11,2 %.
Diese Zahlen zeigen: Jede Beziehung durchläuft kritische Phasen. Wer frühzeitig hinschaut und sich Unterstützung holt, kann Trennung oft vermeiden – oder sie zumindest respektvoll gestalten.
Scheidung ohne Rosenkrieg: Wege zu einer respektvollen Trennung als Eltern
In meiner Arbeit als Paarberaterin und Paartherapeutin erlebe ich immer wieder: Viele Paare suchen nach einem Schuldigen, wenn ihre Beziehung zerbricht. Doch Trennungen entstehen nicht durch eine einzige Handlung – sie sind das Ergebnis davon, wie man seine Beziehung gelebt hat - von Anfang an.
Wie wir kommunizieren, Konflikte aushandeln oder vermeiden, Nähe gestalten oder Distanz zulassen – all das entscheidet, ob eine Beziehung trägt. Solange beide Partner in gegenseitigen Schuldzuweisungen verharren, bleibt jede Weiterentwicklung blockiert.
Denn gerade wenn Kinder da sind, ist es entscheidend, dass Eltern Verantwortung übernehmen. Juristische Prozesse sind manchmal notwendig – doch sie sollten niemals zum Schauplatz persönlicher Rache werden. Was Kinder wirklich belastet, ist weniger die Trennung selbst, sondern wie Eltern miteinander umgehen.
Im Jahr 2024 waren etwa 111.000 minderjährige Kinder direkt von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Hässliche Trennungen, in denen Eltern Machtkämpfe austragen, hinterlassen tiefe seelische Spuren. Kinder fühlen sich zerrissen, schuldig oder innerlich verantwortlich für das Leid der Eltern.
Eine wertschätzende und lösungsorientierte Kommunikation zwischen den Elternteilen ist daher das größte Geschenk, das Eltern ihren Kindern in dieser schweren Zeit machen können.
Viele Trennungen eskalieren vor Gericht. Es geht um Sorgerecht, Unterhalt oder Eigentum – oft aber auch um verletzte Gefühle und unbewältigte Kränkungen.
Für Kinder ist das der schlimmste Weg, den Eltern einschlagen können.
Wie der Familientherapeut Jesper Juul passend formulierte: „Psychologie verliert immer, wenn sie sich mit der Rechtsprechung in einem Raum befindet.“
Psychologie verliert immer, wenn sie sich mit der Rechtsprechung in einem Raum befindet.
Jesper Juul
Hilfe im emotionalen Chaos: Unterstützung durch Paartherapie und Trennungsbegleitung
Trennung und Scheidung gehören zu den schmerzhaftesten Erfahrungen im Leben. Doch sie müssen kein zerstörerisches Drama werden. Professionelle Trennungsbegleitung hilft Paaren und Eltern, diesen Prozess bewusst und respektvoll für sich und für ihre Kinder zu gestalten.
Ich biete in meiner Praxis im Raum Düsseldorf einfühlsame und lösungsorientierte Trennungsbegleitung für Paare und Eltern an – in Präsenz oder online.
Als Paarberaterin und Paartherapeutin begleite ich Sie dabei:
- Ihre Emotionen zu verstehen und zu sortieren,
- Schuld und Wut in Verantwortung zu verwandeln
- und trotz Trennung eine stabile Elternbeziehung aufzubauen.
So können Sie – und vor allem Ihre Kinder – den Wandel als Chance erleben, nicht als Katastrophe. Denn auch wenn die Partnerschaft endet: Die Elternschaft bleibt – und sie darf gelingen.
Quelle
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Jesper Juul Liebende bleiben. Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken
Weinheim: Beltz Verlag, 2017
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Statistisches Bundesamt Eheschließungen, Ehescheidungen und Lebenspartnerschaften
Statistische Auswertung von 2024
Über Réka Török
Réka Török ist Paarberaterin und Change Leaderin für gute Beziehungen. Mit ihrer wissenschaftlich fundierten Ausbildung in der differenzierungsbasierten Paartherapie am Couples Institute in Kalifornien verbindet sie Erkenntnisse aus Bindungstheorie und Neurowissenschaften, um Paare dabei zu unterstützen, Konflikte zu lösen, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam emotional zu wachsen. Ihr empathischer und vorurteilsfreier Ansatz hilft Paaren, mutig neue Wege zu gehen und ihre Beziehung nachhaltig zu stärken.