Karriere und Beziehung: Was erfolgreiche Paare anders machen
Die besten Teams und die stärksten Paare sind sich erstaunlich ähnlich:
- Sie haben ein gemeinsames Verständnis über ihre Rollen und Verantwortlichkeiten inkl. Grenzen.
- Sie fühlen sich sicher Konflikte und Unstimmigkeiten anzusprechen, ohne dafür abgewertet oder bestraft zu werden.
- Sie wissen, was sie zusammen aufbauen wollen. Sie teilen eine gemeinsame Vision und Motivation, die über die eigenen Vorteile hinausgehen. Das Wir ist wichtiger als das Ich.
Jennifer Petriglieri hat in ihrem Buch „Couples That Work: How to Thrive in Love and at Work“ einen Leitfaden entwickelt, der Doppelkarrierepaaren helfen soll sich gut für die Doppelbelastung Karriere und Familienleben aufzustellen.
Ein zentraler Gedanke ist: Paare brauchen nicht primär perfekte Balance, sondern müssen immer wieder gemeinsam aushandeln, was ihnen wichtig ist, welche Grenzen real existieren und wovor sie Angst haben.
Dabei sollte die Leitfrage sein: Was wollen wir vom Leben und wie werden wir dafür sorgen, dass wir es gegenseitig bekommen?
Warum ist es wichtig, dass wir uns darüber Gedanken machen? Eine Partnerschaft mit Kind und Karriere erfordert ein leistungsstarkes Team. Und dennoch ist die Partnerschaft oder Ehe, mit den Worten von Lauren Smith Brody, „die am einfachsten zu ignorierende Beziehung“ und gleichzeitig die Wichtigste.
1. Werte: Was gehört für dich zu einem guten Leben?
Werte sind für Petriglieri der Ausgangspunkt gemeinsamer Entscheidungen. Dahinter können sehr unterschiedliche Werte stehen: berufliche Entwicklung, finanzielle Sicherheit, Nähe zu der erweiterten Familie, Autonomie, Abenteuer, Zugehörigkeit, geografische Verwurzelung etc.
Was wollen wir gemeinsam aufbauen – und was möchte jeder von uns dabei nicht verlieren?
2. Einschränkungen: Wo ist meine Grenze und wo ist deine Grenze? Was wollen und können wir mittragen?
Danach geht es darum, Realität von Wunschdenken zu unterscheiden. Petriglieri empfiehlt Paaren, solche Einschränkungen explizit zu machen und bewusst Grenzen zu definieren, statt jedes Mal ad hoc neu zu verhandeln.
Einschränkungen können beispielsweise sein: Kinderbetreuung, finanzielle Verpflichtungen, Wohnort, Visa, Pflege von Angehörigen, verfügbare Arbeitsmöglichkeiten oder die Tatsache, dass zwei bestimmte Karriereschritte geografisch schlicht nicht gleichzeitig möglich sind.
3. Befürchtungen: Welche Ängste hast du im Hinblick auf die Zukunft? Was fürchtest du am meisten in Bezug auf die Verbindung von Karriere und Partnerschaft?
Petriglieri betont, dass Paare diese Ängste offen benennen sollten. Bleiben sie unausgesprochen, beeinflussen sie gemeinsame Entscheidungen oft indirekt.
Erfolgreiche Doppelkarrierepaare verhandeln ihre gemeinsame Lebens- und Karrieregestaltung immer wieder neu. Sie kennen die Werte des anderen, klären ihre Grenzen und sprechen über die Ängste, die ihre Entscheidungen prägen.
Dabei sollten beide einander eine sichere Basis geben: genug Stabilität, um die Komfortzone zu verlassen, Neues auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln. Diese Unterstützung darf jedoch nicht dauerhaft einseitig werden. Wenn sich eine Person entwickelt, während die andere langfristig die emotionale und organisatorische Last trägt, entstehen leicht Bitterkeit und Groll. Deshalb sollten beide – nicht immer gleichzeitig, aber im Wechsel – unterstützen und selbst Unterstützung erhalten können.
Die Ehe ist die am einfachsten zu ignorierende Beziehung.
Lauren Smith Brody
Quelle
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Lauren Smith Brody The Fifth Trimester: The Working Mom’s Guide to Style, Sanity, and Big Success After Baby.
New York: Doubleday, 2017
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Jennifer Petriglieri Couples That Work: How Dual-Career Couples Can Thrive in Love and in Work
London: Penguin, 2019
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Jennifer Petriglieri Starke Partner in Job und Leben
Harvard Business Manager 01/2020