Réka Török

Glückliche Patchworkpaare

Patchwork - Champions League der Beziehungsführung

Paarbeziehungen sind bereits komplex, jedoch sind Patchworkbeziehungen noch anspruchsvoller. Diese Beziehungsform wird daher als die Königsdisziplin oder die Champions League aller Beziehungsformen angesehen. Die zahlreichen Beteiligten, ihre unterschiedlichen Interessen und Beziehungskonstellationen (die frühere Partnerschaft, Vater-Kind, Mutter-Kind, die neue Partnerschaft) stellen auf verschiedenen Ebenen erhebliche Herausforderungen dar.

1. Herausforderung: Umwandlung des ehemaligen Liebespaars in ein gut funktionierendes Elternpaar

Jedes Patchworkpaar hat mindestens eine Trennungsgeschichte, die die neue Beziehung beeinflusst. Die Person, die die Trennung initiiert hat, möchte sich auf die neue Beziehung konzentrieren, während der Ex-Partner oder die Ex-Partnerin möglicherweise noch von negativen Gefühlen wie Trauer, Hass und Rache geleitet wird. Es kann vorkommen, dass die Person, die die Beziehung beendet hat, Schuldgefühle gegenüber den Kindern und dem Ex-Partner oder der Ex-Partnerin empfindet. Dies führt oft dazu, dass das ehemalige Liebespaar weiterhin in unangenehme Verstrickungen verwickelt bleibt, was eine stabile Elternbasis erschwert und die neue Beziehung belastet.
Für das emotionale Wohlbefinden des Kindes oder der Kinder aus der früheren Beziehung ist unbedingt ein funktionierendes Elternteam erforderlich. Ansonsten übernehmen sie, insbesondere wenn sie älter sind, die Verantwortung, die die Eltern nicht tragen können. Daher ist es notwendig, dass beide Elternteile sich verpflichten, auch in der neuen Situation und trotz trennungsbedingten Verletzungen für das Wohl der Kinder zu sorgen. Denn durch die Trennung der Eltern erleben die Kinder die erste große Krise ihres Lebens.

2. Herausforderung: Führung der Kinder

Die Trennung der Eltern stürzt Kinder in ein Gefühlschaos. Oft geben sie sich selbst die Schuld und bemühen sich, die Bedürfnisse der Eltern zu erfüllen. Wenn Eltern ihre Rolle nicht übernehmen, müssen Kinder die Beziehung gestalten, was zu Loyalitätskonflikten führt. Dies kann die emotionale Stabilität der Kinder beeinträchtigen, da sie beide Elternteile lieben. Die Abwertung eines Elternteils verletzt das Kind und bedeutet immer auch eine Abwertung eines wichtigen Teils von ihm selbst, der durch den mütterlichen oder väterlichen Elternteil symbolisiert ist.

3. Herausforderung: Stabilisierung der neuen Beziehungskonstellationen

Wenn das „Vater-Mutter-Kind“-Modell scheitert, müssen die Beziehungen neu organisiert werden. Jede Beziehung braucht Schutz und Bedingungen, um zu funktionieren. Doch oft ist die Unterstützung des anderen Elternteils eine Herausforderung für die Ex-Partner. Trennungen basieren meist auf Kränkungen und Enttäuschungen. Die Eltern kämpfen nicht nur mit dem Ende der Beziehung, sondern auch mit dem Scheitern eines traditionellen Lebensmodells.

 

Die Vater-Kind- und Mutter-Kind-Teams brauchen – zumindest solange das Kind auf seine Eltern angewiesen ist – immer auch das Einverständnis und Wohlwollen des nicht anwesenden Elternteils.

Katharina Grünewald

Herausforderungen überwinden

  • Tipp 1: Sorgen Sie gut für sich, damit Ihre Kinder nicht diese Verantwortung übernehmen müssen

Nach einer Trennung ist es wichtig, dass Sie gut für sich selbst sorgen. Dies bedeutet, dass Sie Ihre eigenen emotionalen und physischen Bedürfnisse ernst nehmen und sich Zeit nehmen, dass zu tun, was Ihnen guttut. Vielleicht entdecken Sie ein neues Hobby, aktivieren alte Freundschaften oder treten Sie einem Spotverein bei.

Erklären Sie ihrem Kind, dass er verantwortungsvolle Eltern hat, die die Situation auf der Erwachsener-Ebene lösen werden. Ihr Kind hat nicht die Verantwortung für die Eltern und muss auch nicht ihre Probleme lösen. Geben Sie sich Raum für Verarbeitung und Versöhnung mit der Situation.

  • Tipp 2: Holen Sie sich professionelle Hilfe

Familienangehörige und Freunde können und wollen helfen, sind manchmal aber zu nah am alten Paar dran und zu sehr im Loyalitätskonflikt zum einem oder anderem, um gut in einer Trennungssituation beraten zu können. Paarberater und Psychotherapeuten kennen die gewöhnlichen Verstrickungen einer Trennungssituation und können neutral und professionell beraten. So entsteht Raum für Verarbeitung und Versöhnung mit der Situation.

  • Tipp 3: Begleiten Sie die Gefühle der Kinder

Kinder sollten nicht mit ihren emotionalen Herausforderungen alleine gelassen werden. Es ist wichtig, ihnen eine liebevolle Unterstützung anzubieten und einen Raum für ihre Emotionen wie Traurigkeit, Wut und Schuldgefühl zu schaffen. Eltern und Betreuer sollten aktiv zuhören, Empathie zeigen und den Kindern helfen, ihre Gefühle zu benennen und auszudrücken. Durch gemeinsame Aktivitäten und Gespräche können Kinder lernen, dass ihre Emotionen normal sind und dass es in Ordnung ist, über sie zu sprechen. Dies stärkt das Vertrauen und die emotionale Gesundheit der Kinder langfristig.

  • Tipp 4: Bleiben Sie im guten Kontakt mit dem anderen Elternteil und kooperieren Sie im Alltag

Halten Sie die Kommunikationskanäle offen und ehrlich. Nutzen Sie klare und respektvolle Sprache, um Missverständnisse zu vermeiden. Regelmäßige Gespräche über die Kinder und deren Bedürfnisse sind wichtig.

Setzen Sie sich zusammen und besprechen Sie, welche gemeinsamen Ziele Sie für Ihre Kinder haben. Dies kann die Erziehung, Bildung oder Freizeitaktivitäten betreffen. Ein gemeinsames Ziel hilft, den Fokus auf das Wohl der Kinder zu richten.

Behandeln Sie sich gegenseitig mit Respekt, auch wenn es schwierig ist. Vermeiden Sie negative Kommentare über den anderen Elternteil, insbesondere in Gegenwart der Kinder. Dies fördert ein positives Umfeld für alle.

Stellen Sie sicher, dass die Bedürfnisse und das Wohlbefinden Ihrer Kinder immer im Mittelpunkt stehen. Treffen Sie Entscheidungen, die im besten Interesse der Kinder sind, und zeigen Sie ihnen, dass sie in dieser neuen Situation geliebt und unterstützt werden.

Patchworkfallen

Auch der neue Partner oder die neue Partnerin steht vor Herausforderungen und fragt sich: Wo ist mein Platz? Was ist meine Rolle in diesem Beziehungskonstrukt? Wer ist hier für wen verantwortlich? Nicht selten kommt es zu zwei gängigen Patchworkfallen:

  • Die Prinzen- und Prinzessinnenfalle

Die Prinzen- und Prinzessinnenfalle beschreibt die Konkurrenzsituation zwischen dem neuen Partner/der neuen Partnerin und den Kindern des anderen Partners/der anderen Partnerin, die in einer Patchwork-Konstellation auftreten kann. Man wünscht sich in manchen Momenten die ungeteilte Aufmerksamkeit des Partners/der Partnerin, ärgert sich aber, dass die Kinder an erster Stelle stehen. Dies führt zu Eifersucht und Spannungen. Es ist wichtig, diese Gefühle zu reflektieren und zu verstehen, welche eigenen Bedürfnisse dahinterstecken.

  • Die Elternfalle

Die Elternfalle tritt auf, wenn der neue Partner oder die neue Partnerin versucht, die Rolle eines Elternteils zu übernehmen. Dies kann von den Kindern als Einmischung empfunden werden und zu Widerstand führen. Es ist wichtig, dass der neue Partner oder die neue Partnerin eine unterstützende, aber nicht übergriffige Rolle einnimmt und den Kindern Raum lässt, eine Beziehung zu entwickeln, die auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt basiert.

Quelle

  • Katharina Grünewald Glückliche Patchworkpaare. Wie die Liebe mit neuer Familie gelingt

    Weinheim: Beltz Verlag, 2021

Über Réka Török

Réka Török ist Paarberaterin und Change Leaderin für gute Beziehungen. Mit ihrer wissenschaftlich fundierten Ausbildung in der differenzierungsbasierten Paartherapie am Couples Institute in Kalifornien verbindet sie Erkenntnisse aus Bindungstheorie und Neurowissenschaften, um Paare dabei zu unterstützen, Konflikte zu lösen, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam emotional zu wachsen. Ihr empathischer und vorurteilsfreier Ansatz hilft Paaren, mutig neue Wege zu gehen und ihre Beziehung nachhaltig zu stärken.

Réka Török

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