Ist Ihre Beziehung bereit für die Elternschaft?

Chancen und Risiken der Elternschaft für die Paarbeziehung

Die Elternschaft ist eine der bedeutendsten Lebensveränderungen, die Paare durchlaufen können. Während viele Menschen die Freude und das Glück, das mit der Geburt eines Kindes einhergeht, erleben, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse auch, dass diese neue Rolle erhebliche Auswirkungen auf die Paarbeziehung haben kann. Auch wenn die prozentualen Ergebnisse hinsichtlich der Unzufriedenheit der Paare variieren, die Geburt des ersten Kindes erleben viele Paare als Stressor für die Beziehung (Doss et al., 2010). Paare berichten über einen plötzlichen Anstieg von Problembewusstsein, schlechtes Konfliktmanagement und negative Kommunikation gepaart mit wenig gegenseitiger Wertschätzung. Diese Veränderungen halten meistens über die Jahre an. Da das erste Kind bei verheirateten Paaren meistens während der ersten 5 Jahren der Beziehung geboren wird, ist dieser Zeitraum besonders risikobehaftet für Trennung und Scheidung (Bramlett & Mosher, 2002).

Darüber hinaus zeigen Studien auch, dass die Qualität der Elternbeziehung starke Implikationen auch für die frühkindliche Entwicklung der Kinder und Auswirkungen auf das Erregungsniveau des Kindes, seine Bindung und Sprachentwicklung hat. Auch die spätere psychologische, soziale und schulische Entwicklung des Kindes ist stark verknüpft mit der Qualität der Elternbeziehung.  

Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Einige sind offensichtlich, wie Schlafmangel, wenig Zeit alleine oder als Paar, Gefühl der Fremdbestimmtheit durch die Bedürfnisse eines Neugeborenen, unterschiedliche Auffassungen über Elternschaft, Konflikte mit der Ursprungsfamilie etc.

In meiner Wahrnehmung ist das Hauptproblem, dass die meisten Paare wenig emotional vorbereitet in diese Zeit starten. Für Paare gibt es unzählige Checklisten und Ratgeber für die Babyausstattung - aber wer bereitet sie auf die emotionale Achterbahnfahrt der Elternschaft vor? Das Thema kommt im allgemeinen Diskurs rund um die Elternschaft noch viel zu kurz. Manchmal haben Paare auch keine hilfreichen Vorlagen aus der Herkunftsfamilie, weder für die Elternschaft noch für die Eltern-Kind-Beziehung.

Die Studie hebt auch hervor, dass nicht alle Paare die gleichen Veränderungen erleben. Einige Paare zeigen Stabilität oder sogar Verbesserungen in ihrer Beziehung, während andere signifikante Rückgänge in der Beziehungszufriedenheit und -qualität erfahren. Faktoren wie die individuelle Vorgeschichte, die Art der Schwangerschaft und die adaptive Fähigkeit der Paare spielen eine Rolle bei diesen Veränderungen.

Die Paartherapeuten Julie und John Gottman sprechen in diesem Zusammenhang von den „Masters“ und „Disasters“ der Beziehung.  

Erfolgreiche Paare haben in Konfliktsituationen ein Verhältnis von mindestens fünf positiven Interaktionen zu jeder negativen Interaktion. Diese positive „Bank“ an Erfahrungen hilft, Konflikte besser zu bewältigen und die Beziehung insgesamt stabiler zu machen.

John Gottman

Die "Masters" und "Disasters" der Beziehung

Die "Masters" der Beziehung sind die Paare, die glücklich zusammenleben können.

Sie kommunizieren offen und respektvoll miteinander. Sie drücken ihre Bedürfnisse und Gefühle klar aus und hören aktiv zu. Diese Paare gehen Konflikte konstruktiv an. Sie vermeiden es, sich gegenseitig anzugreifen oder abzuwerten, und suchen nach Lösungen, die für beide akzeptabel sind. Sie lassen sich nicht auf Machtkämpfe ein, da sie wissen, dass diese nicht zielführend sind. Emotionale Intelligenz spielt eine zentrale Rolle in erfolgreichen Beziehungen. Masters zeigen ein hohes Maß an Empathie und Unterstützung füreinander. Sie sind in der Lage, ihre eigenen Emotionen sowie die ihres Partners zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Erfolgreiche Paare teilen oft ähnliche Werte und Lebensziele, was ihnen hilft, eine gemeinsame Richtung in ihrer Beziehung zu finden. Diese Paare integrieren Humor in ihre Interaktionen und schaffen eine positive Atmosphäre, die das emotionale Band stärkt.

Die "Disasters" der Beziehung sind die Paare, die unglücklich werden und sich irgendwann trennen.

Disasters neigen dazu, negativ zu kommunizieren, was oft zu Missverständnissen führt. Sie verwenden häufig Kritik, Verachtung oder defensives Verhalten. Gottman identifiziert vier destruktive Kommunikationsmuster, die als „apokalyptische Reiter“ bezeichnet werden: Kritik, Verachtung, Verteidigung und Mauern. Diese Verhaltensweisen sind besonders schädlich für Beziehungen und sollten vermieden werden. Diese Paare haben große Schwierigkeiten, Konflikte konstruktiv zu lösen. Sie neigen dazu, Probleme zu ignorieren oder Streit eskalieren zu lassen. In diesen Beziehungen fehlt oft das Gefühl der emotionalen Sicherheit. Partner fühlen sich nicht gehört oder verstanden. Disasters haben häufig unterschiedliche Vorstellungen von wichtigen Lebensbereichen wie Erziehung, Finanzen oder Lebensstil, was zu Spannungen führt. Diese Paare erleben weniger positive Momente miteinander, was das emotionale Band schwächt.

 

Für Paare gibt es unzählige Checklisten und Ratgeber für die Babyausstattung - aber wer bereitet sie auf die emotionale Achterbahnfahrt der Elternschaft vor?

Réka Török

Warum es sich für Eltern lohnt an der Paarbeziehung zu arbeiten

Die Elternschaft bringt sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich. Während sie die Bindung zwischen Partnern stärken kann, birgt sie auch Risiken für die Beziehung. Die neuesten Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass eine bewusste Auseinandersetzung mit diesen Veränderungen entscheidend ist, um eine gesunde und glückliche Partnerschaft aufrechtzuerhalten.

Gottmans Forschung zeigt auf, dass die Art und Weise, wie Paare kommunizieren und Konflikte lösen, entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg ihrer Beziehung ist. Die Unterscheidung zwischen „Masters“ und „Disasters“ verdeutlicht, dass es spezifische Verhaltensweisen und Einstellungen gibt, die eine Beziehung stärken oder schwächen können. Während Konflikte in einer Beziehung unvermeidlich sind, können Paare durch die Bewältigung von Herausforderungen wachsen. Der Schlüssel liegt darin, wie sie diese Konflikte angehen – ob sie sie als Bedrohung oder als Gelegenheit zur Verbesserung der Beziehung und Stärkung ihrer Bindung betrachten.

Julie und John Gottman haben herausgefunden, dass erfolgreiche Paare in Konfliktsituationen ein Verhältnis von mindestens fünf positiven Interaktionen zu jeder negativen Interaktion haben. Diese positive „Bank“ an Erfahrungen hilft, Konflikte besser zu bewältigen und die Beziehung insgesamt stabiler zu machen.

Indem Paare proaktiv an ihrer Beziehung arbeiten und Strategien zur Stärkung ihrer Verbindung umsetzen, können sie die positiven Aspekte der Elternschaft maximieren und gleichzeitig den negativen Auswirkungen entgegenwirken. Letztlich ist es die gemeinsame Reise durch die Höhen und Tiefen der Elternschaft, die Paare zusammenschweißen kann – wenn sie bereit sind, daran zu arbeiten.

Ich begleite Sie gerne in herausfordernden Zeiten der Elternschaft, wenn Sie Hilfe brauchen. Als Mutter kann ich mich in Ihre Situation persönlich einfühlen und Sie als Paarberaterin professional begleiten und coachen.

Quellen

Über Réka Török

Réka Török ist Paarberaterin und Change Leaderin für gute Beziehungen. Mit ihrer wissenschaftlich fundierten Ausbildung in der differenzierungsbasierten Paartherapie am Couples Institute in Kalifornien verbindet sie Erkenntnisse aus Bindungstheorie und Neurowissenschaften, um Paare dabei zu unterstützen, Konflikte zu lösen, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam emotional zu wachsen. Ihr empathischer und vorurteilsfreier Ansatz hilft Paaren, mutig neue Wege zu gehen und ihre Beziehung nachhaltig zu stärken.

Réka Török

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