Wichtige Forschungserkenntnisse
Ein Baby in der Familie willkommen zu heißen, ist ein freudiger Anlass, stellt aber auch eine große Herausforderung für die Beziehung eines Paares dar. Eine von den renommierten Beziehungsexperten Julie und John Gottman durchgeführte Studie ergab, dass nach der Geburt des ersten Kindes die Beziehungszufriedenheit bei zwei Dritteln der Paare deutlich abnahm. In dieser Zeit kam es zu einer bemerkenswerten Zunahme von Konflikten und Feindseligkeiten innerhalb von Beziehungen, da die Partner häufiger in Auseinandersetzungen verwickelt waren, die von Kritik, Abwehrhaltung und Respektlosigkeit geprägt waren. Paare drückten oft Gefühle aus, die sie später bereuten, versäumten es, die Perspektiven des anderen zu berücksichtigen, und kämpften um Kompromisse. Infolgedessen erlebten beide Partner Gefühle der Nichtwertschätzung, Vernachlässigung und Einsamkeit.
Die Studie zeigte jedoch auch, dass ein Drittel der Paare den Übergang zur Elternschaft mit größerer Leichtigkeit erfolgreich meisterte. Dies wirft die Frage auf: Welche Strategien haben diese Paare angewandt, um in dieser transformativen Zeit erfolgreich zu sein? Julie und John Gottman identifizierten sechs Schlüsselstrategien, die für die Förderung einer starken und liebevollen Beziehung in dieser herausfordernden Zeit unerlässlich sind:
- Gemeinsam die Herausforderungen der Elternschaft meistern
- Freude finden im Umgang mit dem Baby
- Konflikte erfolgreich lösen
- Bindung durch Freundschaft und Intimität stärken
- Familie durch aktive Vaterschaft fördern
- Ein Vermächtnis der Liebe schaffen
Das bedeutendste Geschenk, das ein Paar seinem Baby machen kann, ist eine stabile und liebevolle Beziehung. Diese Beziehung fördert die Entwicklung des Kindes wesentlich. Je stärker die Bindung zwischen den Eltern, desto besser kann das Kind emotional und intellektuell gedeihen.
Julie und John Gottman
6 Schlüsselstrategien
Strategie 1: Gemeinsam die Herausforderungen der Elternschaft meistern
Alle Paare erleben beim Übergang zur Elternschaft Schwierigkeiten. Diese Gefühle von Überforderung, Erschöpfung und Stress sind normal und verbreitet. Das Wissen, dass viele Eltern diese Emotionen teilen, kann Paaren helfen, mit Verständnis und Geduld darauf zu reagieren.
Strategie 2: Freude finden im Umgang mit dem Baby
Die Interaktion mit ihrem Baby und das Eingehen auf dessen Bedürfnisse können die Bindung zwischen Eltern und Kind stärken und gleichzeitig die Partnerschaft vertiefen. Diese Momente bieten eine wertvolle Gelegenheit, die Beziehungen innerhalb der Familie zu fördern. Gemeinsame Erfahrungen bei der Betreuung des Babys können zu bedeutenden Erinnerungen führen, die zur Stärkung der Partnerschaft beitragen.
Strategie 3: Konflikte erfolgreich lösen
Dieser Aspekt ist von größter Bedeutung. Konflikte sind unvermeidlich, vor allem, wenn die Eltern gestresst und erschöpft sind. Paare können jedoch selbst entscheiden, wie sie konstruktiv mit Konflikten umgehen. Dazu gehört, respektvoll und sanft zu sein, sich von Kritik fernzuhalten und die Verantwortung für seinen Anteil an der Meinungsverschiedenheit zu übernehmen. Es ist wichtig, auf die Perspektive des Partners zu hören und seine Gefühle anzuerkennen. Durch die Deeskalation von Konflikten können Paare destruktive Muster vermeiden und Verständnis und Kompromisse fördern.
Zu einer effektiven Konfliktdiskussion gehört es, Gefühle auszudrücken, das Problem ohne Schuldzuweisungen zu beschreiben und Bedürfnisse zu benennen. Statt ihren Partner zu überzeugen, sollten Paare versuchen, die Perspektive des Anderen zu verstehen.
Zu den Fragen, die das Verständnis erleichtern sollen, gehören:
- Wie denkst du darüber?
- Was haltest du davon?
- Was ist für dich das Schlimmste?
- Hast du Angst vor etwas? Wenn ja, was ist es?
- Worauf legst du hier Wert?
- Warum ist es dir wichtig?
- Kannst du mir helfen, es besser zu verstehen?
Paare, die miteinander gute Konfliktgespräche führen können, verstehen sich besser. Das Zusammenfassen der Partnerperspektive bestätigt ihre Sicht und fördert den Respekt.
Strategie 4: Bindung durch Freundschaft und Intimität stärken
Eine starke Freundschaft und intime Verbindung sind wichtig für eine gesunde Beziehung. Teilen Sie gemeinsame Interessen und verbringen Sie Zeit miteinander, besonders während der Elternschaft. Zeigen Sie Wertschätzung, Zuneigung und Bewunderung, statt Kritik zu üben. Alle positiven Handlungen in einer Beziehung zahlen laut Julie und John Gottman auf Intimität ein.
Strategie 5: Familie durch aktive Vaterschaft fördern
Die Einbeziehung von Vätern ist entscheidend für die emotionale und intellektuelle Entwicklung von Kindern. Väter sollten sich aktiv an der Betreuung, dem Spielen und der Erziehung ihrer Kinder beteiligen. Dieses Engagement kommt nicht nur dem Kind zugute, sondern stärkt auch die Bindung zwischen dem Vater, dem Kind und dem Elternpaar. Die Aufteilung der elterlichen Verantwortung kann Stress abbauen und die Teamarbeit innerhalb der Familie fördern.
Strategie 6: Ein Vermächtnis der Liebe schaffen
Paare, die die ersten Jahre der Elternschaft gut bewältigen, haben oft das Gefühl, dass sie etwas schaffen, das über ihre Beziehung hinausgeht - ein Vermächtnis für ihre Kinder. Sie versuchen, ihre Werte, Visionen und Traditionen an die nächste Generation weiterzugeben. Indem sie sich gegenseitig unterstützen und wertschätzen, können Paare ein Gefühl der Erfüllung und des Zwecks erlangen. Sie werden zu einem effektiveren Team. Paare, die sich an die Elternschaft angepasst haben, akzeptieren die neue Dynamik und etablieren neue Wege, um miteinander in Kontakt zu treten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ankunft eines Babys Veränderungen in der Beziehung eines Paares mit sich bringt und Möglichkeiten für Wachstum und Verbundenheit bietet. Indem sie die sechs Strategien der Gottmans befolgen, können Paare eine solide Grundlage für ihre Familie schaffen und eine dauerhafte Beziehung aufrechterhalten.
Wie wichtig eine gesunde Paarbeziehung für das Kind ist, zeigen die jüngsten Studien der Neurowissenschaften: In den ersten drei Jahren entwickeln Säuglinge entscheidende neuronale Prozesse für Selbstberuhigung, Aufmerksamkeit, Vertrauen und emotionale Bindung. Ein Säugling, der von Eltern in einer unglücklichen Beziehung geboren wird, könnte Schwierigkeiten haben, die neuronalen Netzwerke zu bilden, die für den schulischen Erfolg, gesunde Beziehungen und zukünftiges Glück unerlässlich sind.
Quelle
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Julie und John Gottman Und Baby macht drei. Der Sechser-Plan, um die eheliche Intimität zu bewahren und die Romantik nach der Geburt des Babys wieder aufleben zu lassen.
New York: Three Rivers Press, 2007
Über Réka Török
Réka Török ist Paarberaterin und Change Leaderin für gute Beziehungen. Mit ihrer wissenschaftlich fundierten Ausbildung in der differenzierungsbasierten Paartherapie am Couples Institute in Kalifornien verbindet sie Erkenntnisse aus Bindungstheorie und Neurowissenschaften, um Paare dabei zu unterstützen, Konflikte zu lösen, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam emotional zu wachsen. Ihr empathischer und vorurteilsfreier Ansatz hilft Paaren, mutig neue Wege zu gehen und ihre Beziehung nachhaltig zu stärken.